Aktuelles

Am wichtigsten ist das Glück. Ein Interwiev mit Romuald Koperski.
11.06.2008 10:24:00
Ein Gespräch mit Romuald Koperski, dem Veranstalter und dem Leiter der Forschungsreise des Jahrhunderts.
Das ist nicht die erste Pionierleistung in Ihrem Leben, aber ich glaube, die spektakulärste. Wie füllt sich ein Mensch, der eine bisher nicht vollgebrachte Tat vollgebracht hat?
-Wenn man Sibirien liebt, fängt man an, daran zu denken, wie man dorthin zurückkommt. Als wir 175 Grad der geografischen Länge erreicht hatten, wussten wir, dass wir weiter gegangen sind, als alle bisher unternommenen Expeditionen. Die mit einem großen Budget, vielen Fahrzeugen einschließlich Hubschrauber als Absicherung. Wir hatten vor, dorthin zu kommen und zurückzukehren. Wir haben das Ziel erreicht, aber es stellte sich heraus, dass der Erfolg der Forschungsreise nicht nur an Geld oder an Ausrüstung liegt. Am wichtigsten war unser außergewöhnliches Glück. Wir sind problemlos aus verschiedenen Klemmen herausgekommen. Unsere Forschungsreise des Jahrhunderts fand während des Winters des Jahrhunderts statt. Da wo wir gelangen sind, sind die Temperaturen auf minus 63 Grad Celsius gesunken. Bei einem so großen Frost war die Ausübung jeder Tätigkeit sehr kompliziert. Und das, was man jetzt füllt …. Na ja, ich traue mich zu sagen, das niemand imstande ist, unsere Leistung zu wiederholen. Bestimmt nicht zu meiner Zeit.
-Ihr seid aber nicht in der Beringstrasse gewesen. Warum?
-Wir konnten noch 200 km fahren und dorthin gelangen, aber dann hätten wir nicht geschafft, rechtzeitig zurückzukehren, weil die Flüsse getaucht wären, die unsere Sibirien – Straßen waren.
-Wie viele Kilometer habt ihr täglich zurückgelegt?
-Das hang von den Wetterbedingungen ab. Wir sind durch Wind – und Schneestürme gefahren und genau gesagt, haben wir uns den Weg durch großen Schnee ausgegraben. Einmal hatten wir 5 Stunden für 15 m gebraucht. Ein anderes Mal haben wir bei Temperatur minus 50 Grad und bei Schneesturm lediglich 270 km durch den ganzen Tag hinter sich gelassen.
-Wie haben die Einwohner von Sibirien auf euch reagiert?
-Als wir schon zurückkehrten, hatten sie mit einer großen Achtung auf uns geblickt. Niemand besser als sie hat verstanden, was wir erreicht haben. Außerdem waren sie, wie immer, sehr freundlich. Das sind die richtigen Übermenschen. Sie führen ein unvorstellbar schwieriges Leben, aber ihr Wohlwollen und ihre Aufgeschlossenheit auf den anderen Menschen sind unheimlich groß. Sie machen alles, um den anderen Menschen zu helfen. Sie verweigern niemandem die Gastfreundschaft und das Essen, sogar wenn sie die Nahrungsreste mit anderen teilen müssen. Sie wissen, dass sie ohne Hilfe, die sich gegenseitig anbieten, nicht überleben könnten. „Ich muss einem anderen Menschen helfen, weil er mir morgen auch hilft.“ – das ist ihr Prinzip. Sibirien lernt eine Demut und einen Glauben an einen anderen Menschen. Das polnische Denken, wenn es jemandem gut geht, dann muss man ihm einen Schaden zuzufügen, denunzieren, weil: „warum dem anderen besser als mir gehen soll“ ist ihnen fremd.
-Wir haben was von den Einwohnern der Sibirien zu lernen.
-Oh, ja. Ohne sie wäre unsere Forschungsreise nicht gelungen. Wir haben sie aufmerksam zugehört, indem wir unser Auto mit einer Wärmedichtung isoliert hatten, bevor wir in die kältesten Gebiete losgefahren sind. Wir haben sogar von ihnen gelernt, wie durch die tiefsten Schneeverwehungen hindurchkommt. Wir waren keine selbstgefälligen Dummköpfe, die ein paar Dollars haben, aus Europa gekommen sind und alles besser wissen. Wir haben ihre Ratschläge und Hinweise mit einer Demut angenommen.
-Den Polen ist es schwer, sich einen Frost über 50 Grad vorzustellen. Wie seid ihr unter diesen Extrembedingungen zurecht gekommen?
-Unsere Auto – Heizung funktionierte perfekt. Unser Auto, außer einer Störung der Kupplung und ich würde sagen, außer kleineren Mängeln, funktionierte sehr gut. Aber bei einem starken Frost war jeder Ausstieg aus dem Fahrzeug, sogar der Übergang aus dem Führerhaus zu dem Wohnraum eine große Reise. Während einer von ihnen sind meine Schuhe wegen des starken Frosts geplatzt. Das am Fahrzeug eingebaute Thermometer ist schon früher geplatzt. Gekauft in Polen, hatte es die Skala nur bis zum minus 50 Celsius Grad.
-Und was mit so banalen Sachen wie z. ß. die Toilette?
-Na ja, in unserem Auto hatten wir keine Toilette. Die so genannte Notdurft mussten wir blitzschnell draußen verrichten und erst dann, als wir schon echt mussten. Über das Waschen und das Duschen mussten wir vorläufig vergessen. Ich betone aber, wir waren keine drei stinkenden Typen, was daran interessant ist, erst auf dem Heimweg, als wir uns Europa näherten und es wurde wärmer, habe ich begonnen zu riechen, dass jemand neben mir sitzt. Dann ist uns das Baden in den auftauenden Flüssen zu Hilfe gekommen.
-Habt ihr irgendwelche seltsame Geschichten erlebt? Seid ihr nicht durch den sibirischen Bären überfallen?
-Die Tiere greifen nicht als erste an. Es gab viele unheimliche Geschichten. Die interessantesten beschreibe ich in meinem Buch. Es ist uns z. ß. passiert, dass wir unter Beschuss der Jäger geraten sind, aber wie man sieht, niemandem ist was passiert. Einmal haben wir das Leben einem Vater und einem Sohn gerettet, deren Auto unter Schnee eine Panne hatte. Hätten wir auf sie nicht gestoßen, wären sie tot gewesen. Wir haben sie mit dem Alkohol aufgewärmt und danach haben wir ihnen die erfrorenen Finger amputiert. Das war aber keine Tragödie, weil es am wichtigsten war, dass sie überlebt haben.
-und wann machst du die nächste Forschungsreise?
-Jetzt muss man sich ein bisschen erholen aber die Erholung dauert mit Sicherheit nicht lange. Dies erlaubt die Sehnsucht nach Sibirien nicht.
- Vielen Dan für das Gespräch.
Mit Romuald Koperski hat Iwona Marciniak gesprochen.


Polski
English
Deutsch
French
Russian
Spanish
Czech
Hungarian
Bulgarian
Saudi Arabia
Romanian
Chinese